Bar HebraeusLogo der Stiftung zum Erhalt und zur Förderung des Aramäischen Kulturerbes

Bar Hebraeus als Theologe

Die Bedeutung seiner Schriften und seines Wirkens für die syrisch-orthodoxe Kirche

Bar Hebraeus – nachempfundene Darstellung
Bar Hebraeus – nachempfundene Darstellung, 21. Jh.

Bar Hebraeus hat für die syrisch-orthodoxe Kirche eine herausragende Bedeutung: Er fasste die vorhandene Lehre systematisch zusammen, verband Glauben und Wissenschaft und bewahrte das geistige Erbe seiner Kirche. So sammelte und bewahrte er in einer politisch schwierigen Zeit unter mongolischer Herrschaft ältere syrische Handschriften, patristische Traditionen und liturgische Überlieferungen. Ohne seine Arbeit wären zahlreiche Texte verloren gegangen.

Zugleich prägte er als Maphrian und Lehrer der syrisch-orthodoxen Kirche das geistige Leben seiner Kirche nachhaltig. Seine Werke dienten über Jahrhunderte als Lehrbücher für Kleriker, Mönche und Bischöfe. Besonders wichtig waren dabei Mnorath Qudhshe, das Ethicon und der Nomocanon. Seine Chroniken Chronicon Syriacum und Chronicon Ecclesiasticum sind bis heute unverzichtbar für die Erforschung der syrischen Kirchen.

Merkmale seiner Theologie

  • Durch Systematisierung stellte er die Lehren der syrisch-orthodoxen Kirche in einer klaren und geordneten Form dar. Sein Hauptwerk hierfür ist das Mnorath Qudhshe („Leuchter des Heiligtums").
  • Er stand fest auf dem Boden der Christologie der syrisch-orthodoxen Kirche und betonte die volle Gottheit Christi, die volle Menschheit Christi und ihre untrennbare Einheit in der einen Natur des fleischgewordenen Wortes.
  • Er vertrat die Ansicht, dass viele christologische Streitigkeiten mit der Kirche des Ostens, der griechisch-orthodoxen und der armenischen Kirche teilweise auf unterschiedliche Terminologien zurückzuführen seien. Damit war er seiner Zeit weit voraus und könnte als früher Wegbereiter ökumenischen Denkens betrachtet werden.
  • In seinen theologischen Schriften verband er syrische Kirchenväter, griechische Philosophie und arabische Wissenschaftstraditionen. Dadurch entstand eine außergewöhnlich gebildete und breit angelegte Theologie.