Das Il-Khanat und das Christentum
Schon lange bevor Dschingis Khan 1206 ein Mongolenreich erschuf, gab es Stämme der Mongolen, die den christlichen Glauben angenommen hatten: die Keraiten, die Naimanen, die Merkiten und die Ongud. Ihre Christianisierung erfolgte primär durch Nestorianer.

Frauen aus diesen Stämmen heirateten Söhne und Enkel Dschingis Khans und konnten deren Politik so zum Teil in eine christenfreundliche Richtung lenken. Bekannt wurde besonders Sorqhaqtani Beki, die Ehefrau von Dschingis Khans Sohn Tolui. 1251 gelang es ihr, ihren Sohn Möngke zum Großkhan wählen zu lassen, der danach seine Brüder Qubilai nach China und Hülegü in den Iran in Bewegung setzte. Alle ihre Söhne waren mit Christinnen verheiratet.
Die Ehefrau von Hülegü, Doquz Khatun, erreichte, dass die Christen von Bagdad, Damaskus und anderen von Mongolen eroberten Orten verschont wurden. Sie hatte wohl auch Einfluss darauf, dass christliche Würdenträger und Wissenschaftler am Hof ihres Mannes Hülegü und ihres Sohnes Abaqa gern gesehen waren.
Die Mongolen als Nomaden waren dem Schamanismus verbunden, standen aber anderen Religionen interessiert gegenüber. Daraus entwickelten viele Herrscher ein eigenes religiöses Weltdeutungskonzept.
„Wenn man allein zum ewigen Himmel betet und wenn man so glaubt, wie es sich gehört, ist das nicht ebenso, wie wenn man zum Christentum übergetreten wäre?“
Das war die Antwort auf katholische Aufrufe zur Taufe und der Hinweis auf den Glauben der Mongolen an den „Ewigen Himmel“.
Für viele Mongolen war die Erzählung von Jesu Heilungen von großer Bedeutung; die christliche Praxis war daher eng mit der Krankenpflege verbunden.
Die Mongolen forderten von allen religiösen Würdenträgern, ihre Dienste dem Herrscherhaus zur Verfügung zu stellen. Dafür gab es Steuerbefreiung, keine Einberufung zum Kriegsdienst und keine Dienstleistungen für die Gesandten des Khans — wie die Bereitstellung von Pferden und Lebensmitteln.
Die Bekehrung der Keraiten wird von Bar Hebraeus im 13. Jahrhundert geschildert. Er dokumentierte einen Brief des Bischofs Abdisho von Merv an Patriarch Johannes den V. aus dem Jahr 1009, in dem dieser die Konversion der Keraiten zum Christentum verkündete.
Hebraeus zufolge verirrte sich Anfang des 11. Jahrhunderts ein keraitischer König auf der Jagd in den Bergen. Als er alle Hoffnung verloren hatte, erschien ihm der Heilige Mar Sergius in einer Vision und sprach: „Wenn du an Christus glaubst, werde ich dich vor dem Verderben bewahren.“ Der König kehrte wohlbehalten nach Hause zurück, und als er später christliche Händler traf, erinnerte er sich an die Vision und fragte sie nach ihrem Glauben. Auf ihren Rat hin sandte er eine Botschaft an den Metropoliten von Merv mit der Bitte um die Taufe von Priestern und Diakonen für ihn und seinen Stamm. Infolge dieser Mission wurden der König und 20.000 seiner Untertanen getauft.

Die Legende vom Priesterkönig Johannes war auch mit den christlichen Herrschern der Keraiten verbunden. Obwohl die Identität des Priesterkönigs Johannes auch mit Personen aus anderen Regionen, wie etwa Indien oder Äthiopien, in Verbindung gebracht wurde, wurde er in einigen Versionen der Legende ausdrücklich mit dem christlichen Mongolen Toghrul identifiziert.


