Historisches Umfeld im 13. Jahrhundert
Das 13. Jahrhundert war in klimatischer, wirtschaftlicher, politischer und kultureller Hinsicht auf Teilen der Nordhalbkugel ein Jahrhundert von Umbrüchen. Im Nahen und Mittleren Osten beeinflussten die klimatischen Schwankungen mit tendenziell trockeneren Bedingungen die landwirtschaftliche Produktion. Diese Klimaveränderungen fielen historisch zusammen mit den letzten fünf Kreuzzügen der Europäer und der mongolischen Expansion nach Westen.
Bar Hebräus hat die sechs Jahrzehnte seines Lebens in diesem historischen Umfeld verbracht. Die damaligen Staaten der Region waren das Sultanat der Rum Seldschuken, das Königreich Kleinarmenien (Kilikien), das Abbasiden Kalifat, das Ayyubiden Emirat, das Reich von Chorasan/Choresm, das Königreich Georgien und Imeretien, sowie die Kreuzfahrerstaaten (Fürstentum Antiochia, Grafschaft Tripolis, Königreich Jerusalem u.a.) – heute die Staatsgebiete der Türkei, des Libanon, Syriens, des Irak und des Iran.

Als 1219 bis 1224 ca. 100.000 Mongolen unter Dschingis Khan erstmals gen Westen zogen, hatte das den Charakter eines Rachefeldzugs. Muhammad II. Schah von Choresm hatte eine komplette Gesandtschaft der Mongolen, einige hundert Menschen, hinrichten lassen. Der Feldzug führte zur Zerstörung von Samarkand und Buchara und zum Ende des islamischen Großreichs von Choresm.
Die eigentliche Herrschaft der Mongolen im Nahen und Mittleren Osten begann erst nach dem Tod von Dschingis Khan in der Regierungszeit des Großkhans Möngke. Er entsandte seinen Bruder Hülegü mit dem Auftrag, die Assassinen zu vernichten, die Abbasiden zu unterwerfen und die Herrschaft über Syrien und Ägypten zu sichern.
1256 unterwarfen sich die Assassinen, der Abbasiden Kalif unterwarf sich 1258 hingegen nicht. Die Mongolen eroberten daraufhin Bagdad, plünderten die Stadt und töteten ca. 200.000 Menschen und den Kalifen. Das war das Ende des Abbasiden Kalifats, das auf eine Geschichte von fast 500 Jahren zurückblicken konnte. Hülegü zerstörte somit das damalige Zentrum der islamischen Welt und stellte auch das Selbstverständnis der muslimischen Gemeinschaft ernsthaft in Frage.
1260 standen die Mongolen in Syrien und nahmen Aleppo und Damaskus ein. Dort erreichte Hülegü die Nachricht vom Tod seines Bruders und Großkhans Möngke. Er zog mit dem Großteil seiner Truppen in den nordwestlichen Iran, auch weil die Weidegründe für die Pferde seiner Truppen in Syrien erschöpft waren.

In Syrien ließ er nur ein Heer von 10.000 Mongolen, Armeniern, Georgiern, Rumseldschuken und Syrern unter dem christlichen General Kitbuqa zurück. Die Mongolen forderten nun das Sultanat der Mameluken in Kairo auf, „sich dem Khan zu beugen oder unterzugehen.“ Die Mameluken töteten die mongolischen Gesandten und ein Heer von 12.000 Mameluken unter Baibar zog den Mongolen entgegen. Am 3.9.1260 trafen die beiden Heere bei Ain Jalut zusammen (Goliathsquelle, nach der Bibel besiegte hier David die Philister). Die Mameluken zerschlugen das mongolische Heer und töteten General Kitbuqa. Sie zogen weiter, eroberten Damaskus, Homs, Hama und Aleppo und drängten die Mongolen über den Euphrat zurück.
Hülegü nannte sich nun Il-Khan (untergebener Khan) und begründete das Il-Khanat (1256 – 1335), ein Reich, das den Iran, Mesopotamien, Ostanatolien und Teile des Kaukasus umfasste. Das Zentrum des Il-Khanats entstand in Maraghah und Täbris. Hier verbrachte Bar Hebraeus einen Teil seiner zweiten Lebenshälfte und verfasste die Mehrheit seiner Schriften.

Im kirchengeschichtlichen Teil seiner Chronik schreibt Bar Hebraeus über die kriegerischen Auseinandersetzungen zu dieser Zeit im Gebiet seines Maphrianats:
Zu der Zeit, zu der Maphrian Ignatius Ṣaliba starb (1258), waren die Länder in Aufruhr. Bagdad wurde zerstört, danach wiederum wurde Aleppo zerstört und ganz Syrien und Mesopotamien. Danach wiederum erhoben sich die Araber Assurs und Ninives gegen die Christen dort und zermalmten sie. Kurz darauf kamen die Mongolen und töteten die Araber. Und so kam allen allgemeines Verderben zu und die gebrochene Kirche, diejenige des Ostens, blieb verwitwet zurück, für die Dauer von sechs Jahren.
Von 1265 – 1282 regierte Hülegüs Sohn Abaqa als Il-Khan. Er führte die Politik seines Vaters fort und begünstigte Buddhisten und Christen. 1282 wurde sein Bruder Tegüder Il-Khan, der zum Islam übertrat und den Namen Ahmad annahm. Bis zu seinem Sturz im Jahr 1284 führte dies zur Benachteiligung und Verfolgung von Nicht-Muslimen.
Zwischen 1284 – 1291 regierte Arghun, ein Sohn Abaqas, als Il-Khan. Er wirkte politisch aktiv in Richtung der christlichen Mächte in Europa, um Kreuzfahrerheere und Kreuzfahrerstaaten in eine militärische Koalition gegen die Mameluken einzubinden. Die Bemühungen blieben aber erfolglos.

Mit der Eroberung von Akkon durch die Mameluken am 18. Mai 1291 und der kurz darauf folgenden Einnahme von Tyros, Sidon und Beirut endete die rund 200-jährige Geschichte der Kreuzfahrerstaaten in dieser Region.
Von 1295 – 1304 regierte Mahmud Ghazan als Il-Khan. Mit seinem Übertritt zum Islam beendete er die bisherige wohlwollende Unterstützung von Buddhisten und Christen. Stattdessen wandte er sich der muslimischen Mehrheit zu und leitete damit langfristig die Assimilierung der Mongolen in die iranische Gesellschaft ein.
Bis 1313 unternahmen die Il-Khane fünf große Feldzüge gegen die Mameluken, konnten aber nicht mehr westlich des Euphrat Fuß fassen. Syrien und Ägypten blieben weiterhin unter mamelukischer Herrschaft.


