Bar Hebraeus als Historiker
Bar Hebraeus zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Historikern. Sein wichtigstes historiographisches Werk ist die Chronik (Chronicon), die aus zwei Teilen besteht:
- Chronicon Syriacum – eine Weltgeschichte von der Schöpfung bis zu seiner eigenen Zeit.

- Chronicon Ecclesiasticum – eine Kirchengeschichte der syrisch-orthodoxen und anderer orientalischer Kirchen.

Diese Werke sind für die Geschichte des Nahen Ostens im 12. und 13. Jahrhundert von außerordentlichem Wert. Auch hier erwies er sich als ein hervorragender Sammler, Bearbeiter und Kritiker früherer Quellen. Er nutzte syrische, arabische und teilweise griechische Vorlagen; er verglich unterschiedliche Berichte; er versuchte, Ereignisse chronologisch zu ordnen und übernahm oft ältere Texte wörtlich, nannte aber häufig seine Quellen. Gerade weil viele seiner Vorlagen heute verloren sind, besitzt seine Chronik einen hohen Quellenwert.
In den Chroniken behandelte Bar Hebraeus nicht nur Kirchengeschichte, sondern auch Politik, Dynastien, Kriege und Kultur. Dabei vermied er im Vergleich zu vielen mittelalterlichen Chronisten oft polemische Übertreibungen.
Heute ist Bar Hebraeus für Historiker eine Schlüsselquelle im Blick auf die Geschichte der syrischen Christen, auf die Kreuzzugszeit, die Ausbreitung und Herrschaft der Mongolen im Nahen Osten und die Beziehungen zwischen Christen, Muslimen und Mongolen im 13. Jahrhundert. Besonders wertvoll sind seine Berichte über die mongolische Zeit, da er zahlreiche Ereignisse selbst erlebte oder von Zeitgenossen erfuhr.
Viele moderne Forscher sehen ihn als den bedeutendsten aramäischsprachigen Historiker des Mittelalters. Sein Werk markiert zugleich einen Höhepunkt der syrischen Geschichtsschreibung kurz vor ihrem Niedergang als große literarische Tradition.


