Bar HebraeusLogo der Stiftung zum Erhalt und zur Förderung des Aramäischen Kulturerbes

Bar Hebraeus als Historiker

Bar Hebraeus zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Historikern. Sein wichtigstes historiographisches Werk ist die Chronik (Chronicon), die aus zwei Teilen besteht:

  • Chronicon Syriacum – eine Weltgeschichte von der Schöpfung bis zu seiner eigenen Zeit.
Titelblatt des Chronicon Syriacum von Bar Hebraeus, 1789
Chronicon Syriacum, Vol.1 (von 2) Ausschließlich aramäischer Text, 1789 (Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt)
  • Chronicon Ecclesiasticum – eine Kirchengeschichte der syrisch-orthodoxen und anderer orientalischer Kirchen.
Titelblatt des Chronicon Ecclesiasticum von Bar Hebraeus, 1874
Gregorii Barhebraei Chronicon ecclesiasticum, herausgegeben von J.-B. Abbeloos und T. J. Lamy, Löwen 1872–1877 (Digitalisat über die Bayerische Staatsbibliothek / Deutsche Digitale Bibliothek. Die Ausgabe enthält den syrischen Text und die lateinische Übersetzung.)

Diese Werke sind für die Geschichte des Nahen Ostens im 12. und 13. Jahrhundert von außerordentlichem Wert. Auch hier erwies er sich als ein hervorragender Sammler, Bearbeiter und Kritiker früherer Quellen. Er nutzte syrische, arabische und teilweise griechische Vorlagen; er verglich unterschiedliche Berichte; er versuchte, Ereignisse chronologisch zu ordnen und übernahm oft ältere Texte wörtlich, nannte aber häufig seine Quellen. Gerade weil viele seiner Vorlagen heute verloren sind, besitzt seine Chronik einen hohen Quellenwert.

In den Chroniken behandelte Bar Hebraeus nicht nur Kirchengeschichte, sondern auch Politik, Dynastien, Kriege und Kultur. Dabei vermied er im Vergleich zu vielen mittelalterlichen Chronisten oft polemische Übertreibungen.

Heute ist Bar Hebraeus für Historiker eine Schlüsselquelle im Blick auf die Geschichte der syrischen Christen, auf die Kreuzzugszeit, die Ausbreitung und Herrschaft der Mongolen im Nahen Osten und die Beziehungen zwischen Christen, Muslimen und Mongolen im 13. Jahrhundert. Besonders wertvoll sind seine Berichte über die mongolische Zeit, da er zahlreiche Ereignisse selbst erlebte oder von Zeitgenossen erfuhr.

Viele moderne Forscher sehen ihn als den bedeutendsten aramäischsprachigen Historiker des Mittelalters. Sein Werk markiert zugleich einen Höhepunkt der syrischen Geschichtsschreibung kurz vor ihrem Niedergang als große literarische Tradition.