Gregorios Bar Hebraeus (1226–1286) wirkte in einer Epoche tiefgreifender Umbrüche: Kreuzfahrer, Ayyubiden und Mongolen kämpften um den Vorderen Orient, während er als Bischof, später als Maphrian die Geschicke der syrisch-orthodoxen Kirche lenkte. Zugleich war er Arzt, Philosoph und einer der produktivsten Autoren seiner Zeit. Diese Ausstellung folgt seinen Lebensstationen von Melitene bis nach Maragha.
Lebensstationen
Melitene (heute Malatya)
Bar Hebraeus wird als Sohn des Arztes Aaron in Melitene geboren, einem wichtigen Zentrum der westsyrischen Kirche. Sein Vater vermittelt ihm früh medizinische Kenntnisse und führt ihn in den Glauben und die theologische Tradition seiner Kirche ein.
Antiochien (heute Antakya)
Nach der Niederlage der Rūm-Seldschuken gegen die Mongolen folgt die Familie einem mongolischen General nach Antiochien. Dort vertieft Bar Hebraeus seine theologischen Kenntnisse unter zwei Lehrern, die er selbst als seine „Älteren“ beschreibt.
Tripolis, Libanon
In Tripoli studiert er Logik und Medizin und arbeitet mit dem Arzt Gamal ad-Din zusammen, der an der berühmten medizinischen Lehrstätte al-Bimaristan al-Nurī in Damaskus wirkte.

Gubos & Lakhabin
Mit nur 20 Jahren wird Bar Hebraeus von Patriarch Ignatios III. David zum Priester und zum Bischof von Gubos geweiht. Er erhält den Amtsnamen Gregorios und wird ein Jahr später nach Lakhabin versetzt.
Diözese um Melitene
Bar Hebraeus wirkt als Bischof, vertieft seine Studien und nimmt 1252 an der Synode im Kloster Mor Barsaumo teil, auf der die Spaltung der westsyrischen Kirche unter zwei rivalisierenden Patriarchen offen zutage tritt.

Aleppo
Bar Hebraeus wird Metropolit der bedeutenden Stadt Aleppo, wird zeitweise abgesetzt und zieht sich in das Kloster Mor Barsaumo zurück, wo er seine wissenschaftlichen Studien intensiviert. 1258 kehrt er auf seinen Bischofssitz zurück.
Aleppo
Seine Amtszeit fällt mit den mongolischen Eroberungen zusammen. Bar Hebraeus steht in engem Kontakt zu Il-Khan Hülegü, wirkt für ihn auch als Arzt und setzt sich 1260 nach der Eroberung Aleppos erfolgreich für die Verschonung der Christen ein.

Sis (heute Kozan)
Am 19. Januar wird Bar Hebraeus in der Theotokos-Kirche von Sis – in Anwesenheit König Hethums I. von Armenien – zum Maphrian geweiht, dem Oberhaupt des autonomen Ostteils des syrisch-orthodoxen Patriarchats. Er leitet sein Amt vom Kloster Mor Mattei aus.
Tigrith, Tabriz, Maragha
Bar Hebraeus tritt sein Amt in vollem Umfang an, weiht Bischöfe, fördert den Wiederaufbau kirchlicher Strukturen, lehrt Medizin und sorgt durch die Ansiedlung seiner Studenten in Tabriz und Maragha für die medizinische Versorgung seiner Gemeinschaft.
Maragha, Persien
Im großen Observatorium und der angeschlossenen Bibliothek mit 40.000 Bänden trifft Bar Hebraeus Gelehrte verschiedener Sprachen und Konfessionen. Hier entstehen fast alle seine bedeutenden wissenschaftlichen Werke und er erschließt sich u. a. die griechischen Philosophen und Ibn Sina.
Originalfoto
KI-generiertMaragha
In einem eigens errichteten Wohn- und Gebetsbereich neben Observatorium und Bibliothek verfasst Bar Hebraeus seine bedeutendsten Werke, überwiegend in aramäischer Sprache, und macht so das Wissen seiner Zeit seiner syrisch-orthodoxen Gemeinschaft zugänglich.

Maragha → Kloster Mor Mattei
Bar Hebraeus stirbt mit 60 Jahren in Maragha. Seine sterblichen Überreste werden in das Kloster Mor Mattei bei Mossul überführt. Zur Beisetzung reisen neben Vertretern seiner Kirche auch Gelehrte anderer Glaubensrichtungen an – ein Zeugnis der Wertschätzung, die er als Theologe, Philosoph und Arzt genoss.

ܪܒ ܚܟܡܬ
Die Werke Bar Hebraeus’ verbinden griechische Philosophie, arabische Wissenschaft und syrisch-christliche Theologie – ein Vermächtnis von bleibender Bedeutung für Kirche und Forschung.